Ablauf der mündlichen Prüfung: Präsentation und Fachgespräch
Bei den Fachinformatikern ist die „mündliche Prüfung“ Teil des Prüfungsbereichs Betriebliche Projektarbeit in der Abschlussprüfung Teil 2. Sie besteht aus zwei Teilen:
Bei den Fachinformatikern ist die „mündliche Prüfung“ Teil des Prüfungsbereichs Betriebliche Projektarbeit in der Abschlussprüfung Teil 2. Sie besteht aus zwei Teilen:
| Teil | Dauer | Was passiert |
|---|---|---|
| Präsentation | ca. 15 Minuten | Ihr stellt euer betriebliches Projekt vor |
| Fachgespräch | restliche Zeit (max. 30 Min. gesamt) | Die Prüfer stellen Fragen zu eurem Projekt und dem fachlichen Hintergrund |
Präsentation und Fachgespräch sind eine Einzelprüfung. Laut Ausbildungsverordnung sollt ihr dabei zeigen, dass ihr „fachbezogene Probleme und Lösungskonzepte zielgruppengerecht darstellen, den für die Projektarbeit relevanten fachlichen Hintergrund aufzeigen sowie die Vorgehensweise im Projekt begründen“ könnt.
So stark zählt die Projektarbeit
Der Prüfungsbereich aus Projektarbeit, Dokumentation, Präsentation und Fachgespräch macht 50 % eurer Abschlussnote aus. Zum Vergleich: Teil 1 zählt 20 %, die drei schriftlichen Prüfungen in Teil 2 je 10 %.
| Fachrichtung | Zeitrahmen Projekt |
|---|---|
| Anwendungsentwicklung | 80 Stunden |
| Systemintegration | 40 Stunden |
| Daten- und Prozessanalyse | 40 Stunden |
| Digitale Vernetzung | 40 Stunden |
Wer euch bewertet
Im Prüfungsausschuss sitzen drei Prüfer, typischerweise Ausbilder aus Betrieben und Fachlehrer aus der Berufsschule. Aus meiner Erfahrung:
- Die Prüfer sind meist sehr erfahren. Viele sitzen seit mehr als zehn Jahren im Ausschuss und haben Hunderte Präsentationen gesehen.
- Die drei Bewertungen liegen fast immer sehr nah beieinander. Große Ausreißer zwischen den Prüfern sind die Ausnahme.
- Die Dokumentation ist vorher bewertet. Laut Handreichung soll die Bewertung der Projektarbeit inklusive Dokumentation vor der Präsentation abgeschlossen sein. So können euch die Prüfer euer Ergebnis direkt nach dem Fachgespräch mitteilen.
Die Bewertungsmatrix: Nach diesen Kriterien bewerten die Prüfer
Der wichtigste Grund, warum die Bewertung der mündlichen Prüfung so einheitlich ausfällt: Jeder Prüfer arbeitet mit einer Bewertungsmatrix. Darin steht für jedes Kriterium genau beschrieben, was für welche Punktzahl erfüllt sein muss. Im Folgenden stütze ich mich auf die Muster-Bewertungsmatrix für betriebliche Projektarbeit, Präsentation und Fachgespräch (Stand 03/2020).
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Das Punkteschema: 100 Punkte, sechs Stufen
Jedes Kriterium wird auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten bewertet. Die Matrix ist in sechs Spalten eingeteilt, die dem IHK-Notenschlüssel entsprechen:
| Punkte | Note | Typische Formulierung in der Matrix |
|---|---|---|
| 100–92 | sehr gut (1) | „umfassend“, „sicher und überzeugend“ |
| 91–81 | gut (2) | „im Wesentlichen“, „sicher“ |
| 80–67 | befriedigend (3) | „erkennbar“, „im Allgemeinen“ |
| 66–50 | ausreichend (4) | „erschließbar“, „leichte Fehler“ |
| 49–30 | mangelhaft (5) | „bedingt erschließbar“, „erhebliche Mängel“ |
| 29–0 | ungenügend (6) | „fehlt“, „nicht erschließbar“ |
Bewertungskriterien der Präsentation
Die Präsentation wird anhand von drei gleich gewichteten Kriterien (je 33,3 %) bewertet:
| Kriterium | Was die Prüfer konkret prüfen | So holt ihr die volle Punktzahl |
|---|---|---|
| Aufbau und inhaltliche Struktur | Sachliche Gliederung, Logik, Zielorientierung | „Dem Thema optimal angepasste Gliederung“, „streng zielorientiert“ |
| Sprachliche Gestaltung | Ausdrucksweise, Satzbau, Stil | „Ausdrucksweise, Satzbau und Stil vorbildlich“ |
| Zielgruppengerechte Darstellung | Medieneinsatz, Visualisierung, Körpersprache | „Durchgängig situationsgerecht, prägnant, immer optimal zum Inhalt passend“ |
Am unteren Ende der Skala steht zum Beispiel: „unsystematisch, unlogisch, zufällige Aneinanderreihung von Fakten“. Ein roter Faden ist also kein Bonus, sondern Pflicht.
Bewertungskriterien des Fachgesprächs
Auch das Fachgespräch hat drei gleich gewichtete Kriterien (je 33,3 %):
| Kriterium | 100–92 Punkte | 66–50 Punkte |
|---|---|---|
| Beherrschung des Fachhintergrundes | Wird „sicher und überzeugend beherrscht“ | Wird „im Allgemeinen beherrscht, wenige Zusammenhänge werden aber falsch oder nicht erkannt“ |
| Problemerfassung, -darstellung und -lösung | Probleme werden „selbstständig und sicher erkannt“, Lösungen „fachlich überzeugend dargestellt“ | Probleme werden „im Allgemeinen richtig erkannt“ |
| Argumentation und Begründung | Argumente werden „immer richtig und überzeugend vorgetragen“ | Argumente sind „zwar meist richtig, aber oft unangemessen vorgetragen“ |
Darüber hinaus nennt die Matrix drei Aspekte, die in die Gesamtbewertung des Fachgesprächs einfließen:
- Transferleistung: Könnt ihr Prozesse, Verfahren und Erkenntnisse aus eurem Projekt auf andere berufliche Situationen übertragen?
- Wertschätzende Kommunikation: Ethische, nachhaltige und wertschätzende Aspekte sollen Teil eurer fachlichen Argumentation sein.
- Qualitätsgerichtetes Vorgehen: Habt ihr Alternativen geprüft und könnt ihr begründen, warum ihr euch für eure Lösung entschieden habt?
Zum Vergleich: So wird die Projektarbeit bewertet
Die Dokumentation eurer Projektarbeit bewerten die Prüfer vorab mit einer eigenen Matrix. Sie ist die Grundlage für viele Fragen im Fachgespräch:
| Kriterium | Gewichtung |
|---|---|
| Ausgangssituation (Projektziel, Kundenwünsche, Schnittstellen) | 15 % |
| Ressourcen- und Ablaufplanung (Personal, Sachmittel, Termine, Kosten) | 15 % |
| Durchführung und Auftragsbearbeitung (Prozessschritte, Abweichungen, Entscheidungen) | 30 % |
| Projektergebnisse (Soll-Ist-Vergleich, Qualitätskontrolle, Abnahme) | 15 % |
| Gestaltung des Portfolios (äußere und inhaltliche Form) | 15 % |
| Kundendokumentation | 10 % |
Das größte Gewicht hat die Durchführung. Hier wollen die Prüfer sehen, dass ihr Anpassungen und deren Folgen begründet habt – genau das wird im Fachgespräch oft noch einmal vertieft.
Warum die Bewertung nachvollziehbar ist
- Feste Kriterien: Jeder Prüfer bewertet dieselben Punkte mit denselben Beschreibungen.
- Einzelpunktvergabe wird dokumentiert: Die Punkte pro Kriterium werden schriftlich festgehalten. Bei einem Einspruch dient das als Nachweis.
- Drei unabhängige Einschätzungen: Ausreißer eines einzelnen Prüfers fallen sofort auf.
Aus meiner Erfahrung im Prüfungsausschuss heißt das auch: Ein Einspruch gegen die Bewertung ist in der Regel wenig erfolgversprechend, weil jeder Punkt begründet und dokumentiert ist. Eure Energie steckt ihr deshalb besser in die Vorbereitung.
So bereitet ihr euch gezielt auf die Bewertungskriterien vor
Für die Präsentation
- Roten Faden bauen: Ausgangssituation, Ziel, Vorgehen, Ergebnis, Fazit. Jede Folie muss auf das Projektziel einzahlen.
- Fachsprache sauber einsetzen: Vollständige Sätze, klare Begriffe, keine Füllwörter. Probt laut, damit Satzbau und Stil sitzen.
- Medien gezielt einsetzen: Lieber eine aussagekräftige Grafik als eine Folie voller Text. Achtet auf Blickkontakt und offene Körpersprache.
- Zeit einhalten: Die Präsentation soll rund 15 Minuten dauern. Wer deutlich darüber oder darunter liegt, wirkt schlecht vorbereitet.
- Technik absichern: Euer Notebook bringt ihr selbst mit. Die Handreichung empfiehlt ein zweites Medium, zum Beispiel ein Handout.
Für das Fachgespräch
- Jede Entscheidung begründen können: Warum diese Lösung? Welche Alternativen gab es? Die Frage nach Alternativen ist laut Matrix ausdrücklich vorgesehen.
- Fachhintergrund vertiefen: Erklärt jeden Fachbegriff aus eurer Doku in eigenen Worten. Die Feynman Methode ist dafür ideal.
- Transfer üben: Überlegt euch, wie ihr euer Vorgehen auf ein anderes Projekt oder einen anderen Kunden übertragen würdet.
- Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit mitdenken: Energieverbrauch, Kosten, Datenschutz – solche Aspekte sind Teil der Bewertung.
Simulieren, simulieren, simulieren
5 typische Fehler, die Punkte kosten
- Keine klare Gliederung: Führt laut Matrix direkt in die unteren Punktbereiche.
- Folien vorlesen: Kostet Punkte bei der zielgruppengerechten Darstellung.
- Entscheidungen nicht begründen: „Das hat mein Ausbilder so gesagt“ ist keine fachliche Begründung.
- Fachbegriffe aus der Doku nicht erklären können: Die Prüfer haben eure Dokumentation gelesen und fragen gezielt nach.
- KI-Texte ungekennzeichnet übernehmen: Laut Handreichung werden mit KI erzeugte Texte nicht als eigenständige Leistung bewertet und müssen mit Angabe des Prompts gekennzeichnet werden.
Fazit: Kein Bauchgefühl, sondern ein klares Schema
Häufige Fragen zur Bewertung der mündlichen Prüfung
So objektiv, wie eine mündliche Prüfung sein kann: Drei Prüfer bewerten unabhängig nach einer festen Matrix, und die Einzelpunkte werden dokumentiert.
In der Regel drei, zum Beispiel Ausbilder aus Betrieben und Lehrkräfte aus der Berufsschule.
In der Regel direkt nach dem Fachgespräch, weil die Dokumentation schon vorher bewertet wurde.