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Mündliche Prüfung Bewertung: So bewerten IHK-Prüfer

Du kommst aus dem Prüfungsraum, das Herz klopft noch – und dann die Frage: Wie lief das eigentlich? Viele Azubis gehen in die mündliche Prüfung, ohne zu wissen, wie die Prüfer ihre Punkte vergeben. Dabei ist die Bewertung kein Bauchgefühl, sondern folgt einer klaren Matrix. Wenn du die Kriterien kennst, kannst du deine Präsentation und deine Antworten im Fachgespräch gezielt darauf ausrichten. Lies weiter und erfahre, worauf es den Prüfern wirklich ankommt.

Kurleiter: Waldemar & das Plakos Team

16. Oktober 2026
Das Wichtigste in Kürze: So wird deine mündliche Prüfung bewertet

Die mündliche Prüfung besteht aus etwa 15 Minuten Präsentation und einem anschließenden Fachgespräch, zusammen höchstens 30 Minuten. Gemeinsam mit Projekt und Dokumentation zählt dieser Bereich 50 Prozent deiner Abschlussnote. Drei Prüfer vergeben pro Kriterium 0 bis 100 Punkte. Bei der Präsentation zählen Aufbau, Sprache und eine zielgruppengerechte Darstellung zu gleichen Teilen, im Fachgespräch dein Fachwissen, deine Problemlösung und deine Argumentation. Punkte kosten vor allem fehlende Struktur, abgelesene Folien, unbegründete Entscheidungen und Fachbegriffe, die du nicht erklären kannst. Am besten simulierst du die Prüfung vorher und holst dir Feedback anhand der Bewertungsmatrix.

Inhhaltsverzeichnis

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Eine mündliche Prüfung hattet ihr alle schon mal – im Vorstellungsgespräch, im Jobinterview oder in der Schule. Und fast immer bleibt danach die Frage: War die Bewertung eigentlich fair? In Foren wie Reddit liest man regelmäßig Beiträge mit Titeln wie „IHK mündliche Prüfung ist gar nicht objektiv“. Die Sorge ist verständlich: Drei fremde Menschen hören euch eine halbe Stunde zu und entscheiden über die Hälfte eurer Abschlussnote. Ich kann euch beruhigen. Die Bewertung der mündlichen Prüfung folgt bei der IHK einem festen Schema mit klaren Bewertungskriterien. In diesem Beitrag zeige ich euch: wie Präsentation und Fachgespräch ablaufen und wie stark sie zählen, nach welchen Kriterien die Prüfer Punkte vergeben, warum die Bewertung nachvollziehbarer ist, als viele denken, und wie ihr euch gezielt auf genau diese Kriterien vorbereitet. Über den Autor: Ich bin Waldemar, IHK-geprüfter Ausbilder und Trainer und beschäftige mich seit 12 Jahren hauptberuflich mit dem Thema Lernen und Prüfungsvorbereitung. Außerdem wirke ich selbst im Prüfungsausschuss der IHK mit. Was ihr hier lest, kenne ich also nicht nur aus der Theorie, sondern von der anderen Seite des Prüfungstisches.

Ablauf der mündlichen Prüfung: Präsentation und Fachgespräch

Bei den Fachinformatikern ist die „mündliche Prüfung“ Teil des Prüfungsbereichs Betriebliche Projektarbeit in der Abschlussprüfung Teil 2. Sie besteht aus zwei Teilen:

Bei den Fachinformatikern ist die „mündliche Prüfung“ Teil des Prüfungsbereichs Betriebliche Projektarbeit in der Abschlussprüfung Teil 2. Sie besteht aus zwei Teilen:

Teil Dauer Was passiert
Präsentation ca. 15 Minuten Ihr stellt euer betriebliches Projekt vor
Fachgespräch restliche Zeit (max. 30 Min. gesamt) Die Prüfer stellen Fragen zu eurem Projekt und dem fachlichen Hintergrund

Präsentation und Fachgespräch sind eine Einzelprüfung. Laut Ausbildungsverordnung sollt ihr dabei zeigen, dass ihr „fachbezogene Probleme und Lösungskonzepte zielgruppengerecht darstellen, den für die Projektarbeit relevanten fachlichen Hintergrund aufzeigen sowie die Vorgehensweise im Projekt begründen“ könnt.

So stark zählt die Projektarbeit

Der Prüfungsbereich aus Projektarbeit, Dokumentation, Präsentation und Fachgespräch macht 50 % eurer Abschlussnote aus. Zum Vergleich: Teil 1 zählt 20 %, die drei schriftlichen Prüfungen in Teil 2 je 10 %.

Fachrichtung Zeitrahmen Projekt
Anwendungsentwicklung 80 Stunden
Systemintegration 40 Stunden
Daten- und Prozessanalyse 40 Stunden
Digitale Vernetzung 40 Stunden

Wer euch bewertet

Im Prüfungsausschuss sitzen drei Prüfer, typischerweise Ausbilder aus Betrieben und Fachlehrer aus der Berufsschule. Aus meiner Erfahrung:

  • Die Prüfer sind meist sehr erfahren. Viele sitzen seit mehr als zehn Jahren im Ausschuss und haben Hunderte Präsentationen gesehen.
  • Die drei Bewertungen liegen fast immer sehr nah beieinander. Große Ausreißer zwischen den Prüfern sind die Ausnahme.
  • Die Dokumentation ist vorher bewertet. Laut Handreichung soll die Bewertung der Projektarbeit inklusive Dokumentation vor der Präsentation abgeschlossen sein. So können euch die Prüfer euer Ergebnis direkt nach dem Fachgespräch mitteilen.

Die Bewertungsmatrix: Nach diesen Kriterien bewerten die Prüfer

Der wichtigste Grund, warum die Bewertung der mündlichen Prüfung so einheitlich ausfällt: Jeder Prüfer arbeitet mit einer Bewertungsmatrix. Darin steht für jedes Kriterium genau beschrieben, was für welche Punktzahl erfüllt sein muss. Im Folgenden stütze ich mich auf die Muster-Bewertungsmatrix für betriebliche Projektarbeit, Präsentation und Fachgespräch (Stand 03/2020).

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Das Punkteschema: 100 Punkte, sechs Stufen

Jedes Kriterium wird auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten bewertet. Die Matrix ist in sechs Spalten eingeteilt, die dem IHK-Notenschlüssel entsprechen:

Punkte Note Typische Formulierung in der Matrix
100–92 sehr gut (1) „umfassend“, „sicher und überzeugend“
91–81 gut (2) „im Wesentlichen“, „sicher“
80–67 befriedigend (3) „erkennbar“, „im Allgemeinen“
66–50 ausreichend (4) „erschließbar“, „leichte Fehler“
49–30 mangelhaft (5) „bedingt erschließbar“, „erhebliche Mängel“
29–0 ungenügend (6) „fehlt“, „nicht erschließbar“
An den Formulierungen seht ihr schon, worauf es ankommt: Die Prüfer fragen sich bei jedem Punkt, ob etwas umfassend dargestellt, nur erkennbar oder lediglich erschließbar ist. Je weniger die Prüfer selbst zusammenreimen müssen, desto mehr Punkte bekommt ihr.

Bewertungskriterien der Präsentation

Die Präsentation wird anhand von drei gleich gewichteten Kriterien (je 33,3 %) bewertet:

Kriterium Was die Prüfer konkret prüfen So holt ihr die volle Punktzahl
Aufbau und inhaltliche Struktur Sachliche Gliederung, Logik, Zielorientierung „Dem Thema optimal angepasste Gliederung“, „streng zielorientiert“
Sprachliche Gestaltung Ausdrucksweise, Satzbau, Stil „Ausdrucksweise, Satzbau und Stil vorbildlich“
Zielgruppengerechte Darstellung Medieneinsatz, Visualisierung, Körpersprache „Durchgängig situationsgerecht, prägnant, immer optimal zum Inhalt passend“

Am unteren Ende der Skala steht zum Beispiel: „unsystematisch, unlogisch, zufällige Aneinanderreihung von Fakten“. Ein roter Faden ist also kein Bonus, sondern Pflicht.

Bewertungskriterien des Fachgesprächs

Auch das Fachgespräch hat drei gleich gewichtete Kriterien (je 33,3 %):

Kriterium 100–92 Punkte 66–50 Punkte
Beherrschung des Fachhintergrundes Wird „sicher und überzeugend beherrscht“ Wird „im Allgemeinen beherrscht, wenige Zusammenhänge werden aber falsch oder nicht erkannt“
Problemerfassung, -darstellung und -lösung Probleme werden „selbstständig und sicher erkannt“, Lösungen „fachlich überzeugend dargestellt“ Probleme werden „im Allgemeinen richtig erkannt“
Argumentation und Begründung Argumente werden „immer richtig und überzeugend vorgetragen“ Argumente sind „zwar meist richtig, aber oft unangemessen vorgetragen“

Darüber hinaus nennt die Matrix drei Aspekte, die in die Gesamtbewertung des Fachgesprächs einfließen:

  • Transferleistung: Könnt ihr Prozesse, Verfahren und Erkenntnisse aus eurem Projekt auf andere berufliche Situationen übertragen?
  • Wertschätzende Kommunikation: Ethische, nachhaltige und wertschätzende Aspekte sollen Teil eurer fachlichen Argumentation sein.
  • Qualitätsgerichtetes Vorgehen: Habt ihr Alternativen geprüft und könnt ihr begründen, warum ihr euch für eure Lösung entschieden habt?

Zum Vergleich: So wird die Projektarbeit bewertet

Die Dokumentation eurer Projektarbeit bewerten die Prüfer vorab mit einer eigenen Matrix. Sie ist die Grundlage für viele Fragen im Fachgespräch:

Kriterium Gewichtung
Ausgangssituation (Projektziel, Kundenwünsche, Schnittstellen) 15 %
Ressourcen- und Ablaufplanung (Personal, Sachmittel, Termine, Kosten) 15 %
Durchführung und Auftragsbearbeitung (Prozessschritte, Abweichungen, Entscheidungen) 30 %
Projektergebnisse (Soll-Ist-Vergleich, Qualitätskontrolle, Abnahme) 15 %
Gestaltung des Portfolios (äußere und inhaltliche Form) 15 %
Kundendokumentation 10 %

Das größte Gewicht hat die Durchführung. Hier wollen die Prüfer sehen, dass ihr Anpassungen und deren Folgen begründet habt – genau das wird im Fachgespräch oft noch einmal vertieft.

Warum die Bewertung nachvollziehbar ist

  • Feste Kriterien: Jeder Prüfer bewertet dieselben Punkte mit denselben Beschreibungen.
  • Einzelpunktvergabe wird dokumentiert: Die Punkte pro Kriterium werden schriftlich festgehalten. Bei einem Einspruch dient das als Nachweis.
  • Drei unabhängige Einschätzungen: Ausreißer eines einzelnen Prüfers fallen sofort auf.

Aus meiner Erfahrung im Prüfungsausschuss heißt das auch: Ein Einspruch gegen die Bewertung ist in der Regel wenig erfolgversprechend, weil jeder Punkt begründet und dokumentiert ist. Eure Energie steckt ihr deshalb besser in die Vorbereitung.

So bereitet ihr euch gezielt auf die Bewertungskriterien vor

Wenn ihr die Matrix kennt, wisst ihr genau, worauf die Prüfer achten. Nutzt das:

Für die Präsentation

  • Roten Faden bauen: Ausgangssituation, Ziel, Vorgehen, Ergebnis, Fazit. Jede Folie muss auf das Projektziel einzahlen.
  • Fachsprache sauber einsetzen: Vollständige Sätze, klare Begriffe, keine Füllwörter. Probt laut, damit Satzbau und Stil sitzen.
  • Medien gezielt einsetzen: Lieber eine aussagekräftige Grafik als eine Folie voller Text. Achtet auf Blickkontakt und offene Körpersprache.
  • Zeit einhalten: Die Präsentation soll rund 15 Minuten dauern. Wer deutlich darüber oder darunter liegt, wirkt schlecht vorbereitet.
  • Technik absichern: Euer Notebook bringt ihr selbst mit. Die Handreichung empfiehlt ein zweites Medium, zum Beispiel ein Handout.

Für das Fachgespräch

  • Jede Entscheidung begründen können: Warum diese Lösung? Welche Alternativen gab es? Die Frage nach Alternativen ist laut Matrix ausdrücklich vorgesehen.
  • Fachhintergrund vertiefen: Erklärt jeden Fachbegriff aus eurer Doku in eigenen Worten. Die Feynman Methode ist dafür ideal.
  • Transfer üben: Überlegt euch, wie ihr euer Vorgehen auf ein anderes Projekt oder einen anderen Kunden übertragen würdet.
  • Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit mitdenken: Energieverbrauch, Kosten, Datenschutz – solche Aspekte sind Teil der Bewertung.

Simulieren, simulieren, simulieren

Der beste Tipp aus meiner Prüferpraxis: Spielt die Prüfung vorher durch. Haltet eure Präsentation vor Ausbildern, Kollegen oder Freunden und lasst euch danach mit Fragen löchern. Ideal ist, wenn eure Zuhörer die Bewertungsmatrix vor sich haben und euch nach denselben Kriterien Feedback geben.

5 typische Fehler, die Punkte kosten

  • Keine klare Gliederung: Führt laut Matrix direkt in die unteren Punktbereiche.
  • Folien vorlesen: Kostet Punkte bei der zielgruppengerechten Darstellung.
  • Entscheidungen nicht begründen: „Das hat mein Ausbilder so gesagt“ ist keine fachliche Begründung.
  • Fachbegriffe aus der Doku nicht erklären können: Die Prüfer haben eure Dokumentation gelesen und fragen gezielt nach.
  • KI-Texte ungekennzeichnet übernehmen: Laut Handreichung werden mit KI erzeugte Texte nicht als eigenständige Leistung bewertet und müssen mit Angabe des Prompts gekennzeichnet werden.

Fazit: Kein Bauchgefühl, sondern ein klares Schema

Die Bewertung der mündlichen Prüfung ist kein Glücksspiel. Die IHK-Prüfer arbeiten mit festen Bewertungskriterien, einem 100-Punkte-Schema und dokumentieren jede Einzelbewertung. Das heißt für euch: Ihr könnt euch gezielt vorbereiten. Kennt die Kriterien, übt eure Präsentation laut und simuliert das Fachgespräch – dann geht ihr deutlich entspannter in die Prüfung.

Häufige Fragen zur Bewertung der mündlichen Prüfung

So objektiv, wie eine mündliche Prüfung sein kann: Drei Prüfer bewerten unabhängig nach einer festen Matrix, und die Einzelpunkte werden dokumentiert.

In der Regel drei, zum Beispiel Ausbilder aus Betrieben und Lehrkräfte aus der Berufsschule.

In der Regel direkt nach dem Fachgespräch, weil die Dokumentation schon vorher bewertet wurde.

Nur bei echten Verfahrensfehlern. Da jede Punktvergabe dokumentiert ist, sind Einsprüche gegen die inhaltliche Bewertung selten erfolgreich.
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